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Versorgung mit hausgemachten Speisen / hausgemachter Zusatznahrung zur Reduktion von Mangelernährung in der geriatrischen Langzeitpflege

Kontakt: Schoberer, Daniela 04.05.2011
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Versorgung mit hausgemachten Speisen/ hausgemachter Zusatznahrung zur Reduktion von Mangelernährung in der geriatrischen Langzeitpflege


Datum April 2011
AutorInnen Schoberer D, Hierzer A, Uhl C, Haas W, Schrempf S, Semlitsch B, Schaffer S, Findling TE
Auftraggeber LKH Univ. Klinikum Graz
Kontakt daniela.schoberer@klinikum-graz.at


Pflegefrage

Kommt es durch das Anbieten von hausgemachten Speisen oder einer hausgemachten Zusatznahrung zur Reduktion von Mangelernährung bzw. einer Steigerung des Körpergewichts bei PatientInnen in Pflegeheimen?


 

Hintergrund

 

Mangelernährung ist ein weit verbreitetes Problem in Pflegeheimen (Pauly, Stehle & Volkert 2007), welches jedoch häufig nicht erfasst ist und demnach unbehandelt bleibt (Schönherr & Lohrmann 2010).Unter Mangelernährung wird ein Ernährungszustand verstanden, bei dem ein Mangel oder eine Überversorgung an Energie, Proteinen oder anderen Nährstoffen messbare nachteilige Effekte auf Körperform/Körpergewebe, Körperfunktionen und andere klinische Outcomes hat (Lochs et al 2006). Mangelernährung ist sowohl eine Ursache als auch eine Auswirkung für einen schlechten Gesundheitszustand bei vielen PatientInnengruppen und in diversen Gesundheitseinrichtungen (Dietitians Association of Australia 2009).

In internationalen Leitlinien wird bei mangelernährten PatientInnen und bei PatientInnen mit einem erhöhten Risiko für Mangelernährung das Anbieten von Zusatznahrung empfohlen um den Ernährungszustand zu verbessern und eine höhere Überlebenschance zu gewährleisten (Volkert et al 2006). Aufgrund mangelnder Akzeptanz der industriell gefertigten Zusatznahrungen (Beck, Damkjaer & Sorbye 2010) bleibt bei vielen PatientInnen die erwünschte Reduktion des Risikos der Mangelernährung aus.


Methodik

Zur Beantwortung der Pflegefrage wurde eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken Medline, CINAHL, Cochrane Central Register of Controlled Trials, Cochrane Database of Systematic Reviews und EMBASE mit den Suchbegriffen „(homemade OR home-made) AND (food OR nutrition OR supplement) AND (elderly OR old people OR geriatric patient OR nursing home OR long term care)” durchgeführt. Die Recherche beschränkte sich auf deutsch- und englischsprachige randomisierte kontrollierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten. Die gefundenen Titel und Abstracts wurden hinsichtlich der Erfüllung der festgelegten Einschlusskriterien im Bezug auf Intervention,  Population, Outcome und Setting geprüft. Die entsprechenden Artikel wurden im Volltext gelesen und mit Hilfe von Bewertungsbögen für Interventionsstudien (Behrens & Langer 2010) hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit, Aussagekraft und Anwendbarkeit von jeweils zwei Autorinnen (SD & HA) unabhängig voneinander geprüft. Glaubwürdige Studien wurden zur Beantwortung der Pflegefrage herangezogen.


Ergebnisse

Drei Studien entsprachen den Einschlusskriterien und wurden im Volltext kritisch analysiert. Bei keiner der Studien wurde die Intervention hausgemachte Speisen/Zusatznahrung alleinig untersucht, sondern als Teilintervention eines umfassenden Programms. Eine Studie wies erhebliche Mängel im Design auf, welche demzufolge aufgrund unzureichender Glaubwürdigkeit ausgeschlossen wurde. Bei den zwei weiteren Publikationen handelte es sich um eine Studie die unter unterschiedlichen Titeln in verschiedenen Zeitschriften publiziert wurde. Zur Beantwortung der Pflegefrage wurde die aktuellere Publikation herangezogen.

Beck, Damkjaer & Sorbye (2010) untersuchten ein 11-wöchiges multifaktorielles Ernährungsprogramm, welches aus hausgemachter Zusatznahrung, Gruppenübungen mit der Physiotherapie und Mundhygiene bestand, in Pflegeheimen in Dänemark. Durch die Interventionen, tägliches Anbieten von 150 ml hausgemachter Zusatznahrung oder heißer Schokolade, 2-mal pro Woche Gruppenübungen und 1-2 mal pro Woche Mundpflege durch eine(n) ZahnhygientikerIn kommt es zu einer signifikanten Steigerung des Gewichts, des BMI, der Proteinzufuhr sowie einer gesteigerten Teilnahme am sozialen Leben (Beck, Damkjaer & Sorbye 2010). Evidencelevel ++

Bei der hausgemachten Zusatznahrung in Beck, Damkjaer & Sorbye (2010) handelte es sich um eine auf Milch basierende Speise, welche etwa 840kJ und 6,9g Eiweiß enthielt und in den jeweiligen Pflegeheimküchen zubereitet wurde. Die heiße Schokolade war von ähnlichen Nährwerten. Die Akzeptanz für die hausgemachte Zusatznahrung war sehr hoch. 78 Prozent der angebotenen Zusatznahrungen wurden verzehrt. Die Gruppenübungen mit moderater Intensivität wurden für je 2 bis 5 PatientInnen zwei Mal pro Woche für 45-60 Minuten angeboten und richteten sich nach den individuellen Fähigkeiten. Nach den Gruppenübungen bestand das Angebot eine hausgemachte Trainingszusatznahrung  zu sich zu nehmen.Die Mundpflege durch den/die ZahnhygienikerIn wurde von den teilnehmenden PatientInnen schlecht toleriert bzw. häufig verweigert.

Im Bezug auf kognitive und körperliche Fähigkeiten ist es durch die Interventionen zu keinen signifikanten Veränderungen gekommen (Beck, Damkjaer & Sorbye 2010).

 


 

Diskussion

Es konnte aufgezeigt werden, dass durch hausgemachte Zusatznahrung im Rahmen eines multifaktoriellen Interventionsprogramms Anzeichen von Mangelernährung (niedriger BMI, niedriges Körpergewicht) entgegengewirkt werden kann. Da es sich bei der Intervention um eine komplexe Intervention handelt kann nicht beurteilt werden, welcher Teil der Intervention am Effektivsten war.

Industriell  hergestellte Zusatznahrungen werden häufig schlecht akzeptiert (Beck, Damkjaer & Sorbye 2010). Hausgemachte Zusatznahrungen stellen eine Alternative dar, bei der auf individuelle Vorlieben in Bezug auf Konsistenz und Geschmack Rücksicht genommen werden kann und finanzielle Ressourcen eingespart werden können.


Qualität der Evidence nach Grade:

++++ hoheQualität, +++ moderate Qualität, ++ niedrige Qualität, +sehr niedrige Qualität


Copyright: © LKH-Univ. Klinikum Graz, Fachbereich Evidence-based Nursing


 

Literatur

Beck AM., Damkjaer K., Sorbye LW. (2010): Physical and social functional abilities seem to be maintained by a multifaced randomized controlled nutritional intervention among old (<65 years) Danish nursing home residents. Archives of Gerontology and Geriatrics 50, 351-355 

Behrens J, Langer G. (2010): Evidence-based Nursing and Caring. Hans Huber Verlag, Bern. Bewertung einer Interventionsstudie http://www.medizin.unihalle.de/pflegewissenschaft/media/EBN/Interventionsstudien_v1-6.pdf (29.03.2011) 

Dietitians Association of Australia (2009): Evidence based practice guidelines for the nutritional management of malnutrition in adult patients across the continuum of care. Nutrition & Dietetics. Nutrition & Dietetics 66, Supplement 3, s1-s23 

Lochs H., Allison SP., Meier R., Pirlich M., Kondrup J., Schneider ST., van den Berghe G., Pichard C. (2006): Introductory to the ESPEN Guidelines on Enteral Nutrition: Terminology, Definitions and Gerneral Topics. Clinical Nutrition 25, 180-186 

Pauly L., Stehle P., Volkert D. (2007) Nutritional situation of elderly nursing home residents. Z Gerontol Geriatr 40 (1),3-12.  

Schönherr S., Lohrmann C. (2010): Mangelernährung in sechs österreichischen Pflegeheimen - ein heimliches Leid. Procare 15 (2), 3-8 

Volkert D., Berner YN., Berry E., Cederholm T., Coti Bertrand P., Milne A., Palmblad J., Schneider ST., Sobotka L., Stanga Z., DGEM (2006): ESPEN Guidelines on adult enteral nutrition: Geriatrics. Clinical Nutrition, 25, 330-360  




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